Italienisches Cembalo

Italienisches Cembalo von Dietrich Hein - Photo: André Wagenzik
Description: 
Instrument mit geteilten Obertasten und 14 Tönen pro Oktave
Model: 
Giovanni Battista Boni, Cortona, Italien, 1619, jetzt im MIM Brüssel, Belgien

Dieses Cembalo ist ein typisches Beispiel für ein Instrument aus Mittelitalien, mit seinem Umfang von  C/E-c'', seiner scharfen Spitze, der kurzen Oktave und den geteilten Obertasten. In der Erbauungszeit  hat  jeder reine Terzen als konsonante Intervalle erwartet, aber die Komponisten modulierten schon gerne in entferntere Tonarten. Beides zusammen ging nur wenn man mehr Tasten hinzu fügte. 14 Töne wie bei Boni sind ein Minimum aber es gab auch Instrumente mit 17, 19, 21 oder 31 Tasten pro Oktave.

Das einzelne 8' Register läßt sich sehr schnell stimmen (in unter 8 Minuten) und die Konstruktion ganz aus Zypresse, einschließlich Resonanzboden, gibt einen sehr starken, klaren und tragfähigen Ton, der sich auch in einer größeren Besetzung und mit lauten Instrumenten behaupten kann.

Von Anfang an war es mit echten Federn bekielt. Jetzt ist es Berliner Krähe, die einen sehr hellen und brillianten Klang ergibt.

Als Schüler habe ich viele Cembali aus Bausätzen gebaut und an Leute verkauft, die das Geld hatten aber zwei linke Hände oder es nicht selbst machen wollten. Mir war aber immer klar, dass diese Instrumente nie in der gleichen Liga spielen würden wie eines von Meister Dietrich. Als ich mit dem Studium fertig war und als Musiker richtiges Geld verdiente gab ich dieses Instrument in Auftrag. Damals spielte ich viele Konzerte mit Dulzian, Zink und Violine auf hoher Stimmung a=458 Hz und wir brauchten ein Instrument dafür. Hier ist es!

Ich wollte, dass es umwerfend schön aussieht. Das Original in Brüssel steckt in einem Außenkasten der im 18. Jahrhundert mit nackten Puttos bemalt wurde. Das schloss ich auf den ersten Blick aus. Die zündende Idee fand ich in einem Musterbuch von Jacques Stella, einem Franzosen, der sieben Jahre für den Medici Prinzen Cosimo II. gearbeitet hat. Elke Rutz schnitzte die Delphine und machte die Fassung und die Blattvergoldung. Siegfried Gräber schmiedete die Schaniere, bei denen er den Dreizack zwischen den Delphinen aufgriff.

Italienisches Cembalo von Dietrich Hein - Photo: André Wagenzik
Italienisches Cembalo von Dietrich Hein - Photo: André Wagenzik
Italienisches Cembalo von Dietrich Hein - Photo: André Wagenzik
Italienisches Cembalo von Dietrich Hein - Photo: André Wagenzik
Italienisches Cembalo von Dietrich Hein - Photo: André Wagenzik
Italienisches Cembalo von Dietrich Hein - Photo: André Wagenzik