Viola Bastarda

Viola Bastarda von Marco Ternovec - Photo: André Wagenzik
Description: 
Dieses Instrument hat die Mode des 'alla Bastarda' Spiels ausgelöst
Model: 
Nach Michael Praetorius, Wolfenbüttel, Deutschland, 1619

Wieder einmal musste eine Abbildung von Michael Praetorius ausreichen um ein Instrument  zu rekonstruieren. Aber es bleibt immer noch die Frage bestehen, ob die Viola Bastarda ein Instrument  war oder nur eine bestimmte Art und Weise auf einer Gambe zu spielen. Wahrscheinlich trifft beides zu!

Ende des 16. Jahrhunderts ließ sich alle Musik noch mit einer nomal gestimmten Gambe spielen, aber als die Musk virtuoser und der Umfang größer wurde, erwuchs der Wunsch nach einer anderen Stimmung. Ein Instrument mit einer längeren Mensur, einem schmaleren Körper und einer Stimmung in Quarten und Quinten erleichterte das Leben der Virtuosen sehr. Und Komponisten wie Francesco Rognoni oder Vincenzo Bonizzi verwendeten es sofort und nutzten den gesamten Umfang von GG – g'', 4 volle Oktaven!

Der Bastrada Stil ist ohne das Madrigal nicht denkbar. Eine Madrigalaufführung 'alla bastrada' bedeutet, dass man alle Singstimmen auf einem Instrument spielt. Dies verlangt, dass man jeden Stimmeinsatz in der originalen Lage wiedergibt und dann zum nächsten springt. Auf dem Weg dahin baut man so viele Saltos und Loopings wie möglich ein. Deshalb finden wir in den Transkriptionen auch 5 oder 6 verschiedene Notenschlüssel. Der Spieler muss immer wissen, ob er gerade Mezzosopran oder Bariton im Madrigal ist  und er muss sich bemühen, für jede Stimme eine eigene Klangfarbe zu finden. Auf der Viola Bastarda ist das am einfachsten, weil man schon sechs Saiten hat, die im Idealfall alle unterschiedlich klingen. Das ist keine Musik und kein Instrument, bei dem ein homogener Klang anzustreben ist! Wir brauchen die Unterschiede um die originale Struktur deutlich machen zu können.

Der bekannsteste Viola Bastarda Spieler aller Zeiten war am Hof von Mantua angestellt und hieß Claudio Monteverdi. Der Herzog erwartete von ihm, dass er in der Kammer auf seinem Instrument spielte und nicht, dass er komponierte. Auf einem Jugendbildnis sieht man ihn mit einer Viola Bastarda und wir erkennen ein Instrument mit sehr langem Hals, geeignet die Musik zu spielen, von der wir reden.

Das Spiel 'alla bastarda' wurde die große Mode auf vielen Instrumenten: Blockflöte, Zink, Violine, Fagott, Posaune und Laute. Im nächsten Sommer bringe ich einige Freunde zusammen und wir machen eine Sommer Schule zu diesem Thema. Eine seltene Gelegenheit sich dem Thema einmal aus allen Richtungen zu nähern.

Als junger Blockflötenspieler habe ich mich in die Stücke von Virgiliano und Bassano verliebt. Später habe ich sie auf dem Zink gespielt und die Bass-Variationen auf dem Dulzian und der Renaissance Posaune. Als ich begann Gambe zu spielen schaute ich mir das Repertoire wieder an, aber ich gab mir 10 Jahre, bis ich ein Instrument in Auftrag gab und mich wieder voll darauf stüzte. Seitdem ist das Leben ein Traum!

Viola Bastarda von Marco Ternovec - Photo: André Wagenzik
Viola Bastarda von Marco Ternovec - Photo: André Wagenzik
Viola Bastarda von Marco Ternovec - Photo: André Wagenzik
Viola Bastarda von Marco Ternovec - Photo: André Wagenzik
Viola Bastarda von Marco Ternovec - Photo: André Wagenzik